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Andreas Grosz
Der Stifter der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie, Prof. h.c.
Dr.-Ing. h.c. Klaus Steilmann (1929 - 2009) war eine der prägenden
Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Einer breiteren
Öffentlichkeit wurde er als Präsident des
Fußballvereins SG Wattenscheid 09 bekannt. Unter dem Motto
„Mode für Millionen, nicht für Millionäre" wuchs
das 1958 gegründete Unternehmen schnell – und wurde Mitte
der 1980er Jahre Europas größter Bekleidungshersteller.
1991, auf ihrem Höhepunkt, beschäftigte die Steilmann-Gruppe
18.000 Mitarbeiter und realisierte einen Umsatz von 1,88 Milliarden
D-Mark. Klaus Steilmann belieferte Handelshäuser wie C&A,
Peek&Cloppenburg, Karstadt, Kaufhof oder Marks & Spencer,
verkaufte aber auch unter seinem eigenen Namen. So kooperierte er mit
Karl Lagerfeld. 1999 zog sich Klaus Steilmann vom Vorstandsvorsitz des
Unternehmens zurück. Die von der Insolvenz bedrohte
Steilmann-Gruppe wurde 2006 von dem italienischen Modekonzern Radici
übernommen.
Herausfordernde PersönlichkeitKlaus Steilmann war in vorbildlicher Weise und im eigenen Sinne des
Wortes Unternehmer. Seine herausfordernde Persönlichkeit war weit
über das Unternehmen hinaus prägend. Er setzte sich für
die Verbindung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem ebenso ein
wie für erstklassige Bildungsund Ausbildungschancen. Klaus
Steilmann war überzeugt, dass eine Gesellschaft auch Menschen
braucht, welche die Dinge gegen den Strich bürsten. Sein Credo:
„Nicht die Gesellschaft ist dem Menschen verpflichtet, sondern
der Mensch der Gesellschaft“.
Förderung des NachwuchsIn diesem Sinn hat Klaus Steilmann 1978 die Stiftung der Deutschen
Bekleidungsindustrie ins Leben gerufen mit dem Zweck, die Ausbildung
von bedürftigen und begabten Nachwuchskräften in der
Modebranche zu fördern. Seither hat es die SDBI ermöglicht,
dass zahlreiche junge Menschen in der Branche, die Klaus Steilmann so
wichtig war, eine Chance erhalten. Damit hat Klaus Steilmann über
sein ursprüngliches Wirken hinaus einen nachhaltigen Impuls zur
Weiterentwicklung der Mode, wie wir sie heute und auch noch in Zukunft
erleben dürfen, gesetzt. Über die SDBI hinaus arbeitet er
seit 1990 eng mit wissenschaftlichen Einrichtungen an
industriepolitischen, ökologischen und ökonomischen Fragen.
Er engagierte sich für die Universität Witten-Herdecke und
das Zentrum für Unternehmertum und Managemententwicklung an der
Moskauer Lomonossov-Universität. Zudem war Klaus Steilmann ein
verständnisvoller Förderer zahlreicher Menschen die sich
direkt an ihn wandten und ermöglichte zum Beispiel ein
Master-Studium am Central Saint Martins College of Art and Design,
London.
Nachhaltige ModeKlaus Steilmann begann 1989 aus persönlicher Überzeugung mit
systemübergreifenden und vernetzten Lösungsansätzen zur
Reduktion der Umweltbelastungen in seinem Unternehmen. Es umfasste u.a.
die Entwicklung ökologischer Qualitätsstandards, ein
Umweltmanagement-Konzept, Öko-Audits, weltweite Umweltschulungen
der Lieferanten, Produkte aus pestizidfreier Schurwolle, chlorfreier
Viskose und Hanf, die Kollektion mit geprüften
UV-Lichtschutzfaktor „Fun in the Sun“ oder die
umweltverträgliche Kollektion „Britta Steilmann - It's one
world“. Auch hier ging es Klaus Steilmann nicht um elitäre
Biobekleidung für Millionäre, sondern um gesunde und
umweltverträgliche Kleidung für Millionen. Ferner stiftete
Klaus Steilmann den Lehrstuhl für Umweltpolitik an der
Privatuniversität Witten- Herdecke und gründete 1991 das
Klaus Steilmann Institut für Innovation und Umwelt. Zahlreiche
Studien z.B. zu kompostierbarer Kleidung oder Forschungsprojekte wie
„Von der Ökonische zum ökologischen Massenmarkt –
Ecological Mass Textiles“ (hier stand die Entwicklung von
ökologisch optimiertem Polyester im Vordergrund) wurden
durchgeführt. Zudem nutze er seine Funktion als Präsident der
European Largest Textile and Apparell Companies (ELTAC) und später
der EURATEX (The European Apparel and Textile Organisation) um
Umweltstandards durchzusetzen. Klaus Steilmann gehört damit
– mit Heinz Hess (Hess Nature) und Dr. Michael Otto (Otto-Group)
– zu den prägenden Pionieren unseres Landes die sich
für nachhaltiges Wirtschaften einsetzten und weltweit die
entsprechenden Grundlagen legten.
Aufgrund seines Engagements wurde Klaus Steilmann vielfach ausgezeichnet:
1977 Modepreis der Stadt München
1984 Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
1992 Aufnahme in den Club of Rome
1993 Ehrendoktorwürde der Universität Witten-Herdecke
1994 Ehrenpreis zum deutschen Kulturpreis
1999 Deutscher Umweltpreis